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Besuch in Mittelerde

JVBB exklusiv zu Gast in der neuseeländischen Botschaft


Mitglieder des JVBB zu Besuch in der Botschaft Neuseelands. Foto: Frank M. Wagner

Am Mittwochabend trafen sich 15 JVBB-Mitglieder zum exklusiven Hintergrundgespräch in der Botschaft Neuseelands.

Seine Exzellenz hatte geladen. 15 Plätze gab es – und 15 JVBB-Mitglieder kamen, am Mittwochabend zum exklusiven Hintergrundgespräch in der neuseeländischen Botschaft. Botschafter Rodney Harris, seit elf Monaten im Amt, erklärte die Beziehungen seines Landes zu Deutschland und die Pläne Neuseelands für den Vorsitz im UN-Sicherheitsrat, den das kleine Land am anderen Ende der Welt im Juli übernimmt. Auch die derzeit im Inselstaat stattfindende U20-Fußball-Weltmeisterschaft war ein Thema. Zum Schluss des rundum gelungenen Abends gab es kleine landestypische Leckereien – und eine Kostprobe des wirklich guten Weins aus Neuseeland.

Zu Beginn gab Botschafter Harris einen Überblick über das Profil seines Landes: "Etwa 200.000 Menschen unserer insgesamt 4,5 Millionen Einwohner haben deutsche Wurzeln", erklärte er. Seit rund 200 Jahren schon zieht es viele Deutsche in den Inselstaat – bis heute sind zum Beispiel viele Orte nach dem deutschen Geologen und Einwanderer Julius von Haast benannt, und eine der größten Kaufhausketten heißt "Hallenstein". Auf Zuwanderer ist Neuseeland heute mehr denn je angewiesen: Das Land beklagt einen Fachkräftemangel. Besonders Ingenieure, Handwerker und Angehörige der Gesundheitsberufe sind heiß begehrt und werden gesucht.Neben der Landwirtschaft und der Filmindustrie (in Neuseeland entstand die komplette Trilogie „Herr der Ringe“) ist der Tourismus der beherrschende Wirtschaftszweig. Deutsche Besucher machen die fünftgrößte Gruppe aus (hinter den Australiern, Chinesen, US-Amerikanern und Briten). Auch als Handelspartner ist Berlin wichtig für Wellington: Die jährlichen Warenausfuhren Neuseelands nach Deutschland erreichen einen Wert von 600 Mio. Euro. Umgekehrt exportiert Deutschland Waren im Wert von 1 Mrd. Euro.Und noch etwas wurde aus Deutschland importiert: Nachdem in Neuseeland lange Zeit das britische reine Mehrheitswahlrecht galt, hat der Staat im Jahr 1996 das deutsche System (das sogenannte „personalisierte Verhältniswahlrecht“) übernommen. Was außerdem wohl kaum jemand weiß: Neuseeland war der erste Staat der Welt, der das Frauenwahlrecht einführte – 1893 war das.
Am 1. Juli übernimmt Neuseeland den Vorsitz im UN-Sicherheitsrat (der Vorsitz dort wechselt monatlich, in der Reihenfolge der englischen Ländernamen). Für die zweijährige Mitgliedschaft im Rat hat sich die Regierung in Wellington viel vorgenommen: Man wolle vor allem den kleinen Staaten eine Stimme geben, sagt Botschafter Harris. Und man wolle thematisieren, wie der Weltsicherheitsrat proaktiver und effektiver arbeiten könnte.

Für seine Größe ist Neuseeland international enorm aktiv. Das Land schickt seine Armee auch in Krisengebiete, neuseeländische Soldaten sind derzeit im Irak und waren in den letzten Jahren in Afghanistan. Harris erklärt den politischen Ansatz seiner Regierung so: "Wir können bei den Krisenherden der Welt nicht einfach zusehen, sondern wir müssen uns engagieren." Und das tut man – obwohl die kleine Armee gerade mal 4.000 Mann umfasst.
Über zu wenig Arbeit kann Harris ganz sicher nicht klagen: Die neuseeländische Botschaft im lichtdurchfluteten Atrium in der Friedrichstraße ist nicht nur gleichzeitig Konsulat – sondern obendrein auch noch zuständig für die Schweiz, Tschechien, das komplette Baltikum und Liechtenstein. Überall dort versucht Harris – diplomatisch und doch außergewöhnlich charmant – Werbung für neuseeländische Kultur und Lebensart zu machen. Das funktioniert auch ziemlich gut: Zuletzt gelang der Alten Nationalgalerie  mit der vielbeachteten Ausstellung von Gottfried Lindauers "Maori-Porträts" ein grandioser Publikumserfolg.Text: Alexander Fritsch / Frank M. Wagner

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